Gesundheits-Info Februar 2005

Ohrakupunktur

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Zonen des Ohrs, Bild © Karl Heinz Bornmüller Die Ohrakupunktur, auch Auricolo-Therapie genannt, wurde 1950/1951 von dem französischen Arzt und Forscher Dr. Paul Nogier entwickelt und 1956 auf einem Akupunktur-Kongress vorgestellt. Die Ohrakupunktur ist keine traditionelle chinesische Therapieform, wie man vermuten könnte, sie wurde in Lyon, Frankreich, als ein neues Konzept der Diagnose und Therapie entwickelt und erprobt. Dr. Nogier berichtet, 1951 habe er in seiner Lyoner Praxis Patienten mit seltsamen Narben im Ohr behandelt. Sie gaben an, dass diese Narben auf Brandwunden zurückzuführen seien, die man ihnen an diesen Stellen zugefügt habe, um Ischialgien zu heilen. Die Narben fanden sich immer an der gleichen Stelle. Nachdem Nogier selber solch eine Heilung erlebte, ersetzte er die thermische Reizung durch eine Nadelreizung. Später erkannte er die Zusammenhänge zwischen einzelnen Körperregionen und den entsprechenden Ohrregionen. Ihm gelingt der Nachweis von reflektorischen Beziehungen zwischen Ohr und Körper. Mit der Entdeckung der Korrespondenz eines bestimmten Bereiches des Ohrs und Wirbelsäule legt er den Grundstein für ein neues Behandlungskonzept. (Siehe Abbildung rechts: Zonen des Ohrs)

'Ohren sind ein Teil unseres Körpers und Störungen bzw. Krankheiten im Körper können sich hier zeigen. Das Ohr stellt eine Reflexzone dar. Neurophysiologische Mechanismen führen zur Projektion von peripheren Störungen auf das Ohr und zur Möglichkeit von dort aus durch Reize (z.B. mit Hilfe von Nadeln) zurück auf den Körper zu wirken.' (NOGIER 1951) 'Körper-Entsprechungen' des Ohrs

Der Körper bildet sich im Ohr mit einer gewissen Logik ab. Allerdings steht er hier quasi auf dem Kopf. (Siehe Abbildung links)

Die Behandlung über die Ohrmuschel war bereits in alten Hochkulturen bekannt und wurde überwiegend gegen Schmerzen eingesetzt. In der chinesischen Kultur reicht die erste schriftliche Erwähnung in das erste Jahrhundert vor Christus zurück. Im Huang Zi Nei King Su Wen, dem 'Gelben Kaiser', Urtext der Traditionellen Chinesischen Medizin, finden sich Beschreibungen über Meridianzusammenhänge zwischen der Ohrmuschel und einzelnen Körperregionen. 'Das Ohr ist der Ort, an dem alle Meridiane sich treffen.' In Ägypten und Persien wurde die Ohrbehandlung bereits vor 2000 Jahren zur Linderung von Schmerzen eingesetzt. Im vierten Jahrhundert vor Christus erkannte Hippokrates die therapeutische Bedeutung der Ohrmuschel. Weitere Hinweise gibt es aus dem 16. und 17. Jahrhundert: Zahn- und Ischiasschmerzen wurden über Kauterisation (Setzen einer kleinen Brandwunde in ein Hautareal zu therapeutischen Zwecken) behandelt.

In China wurde die Ohrakupunktur nicht entwickelt. Erst die Veröffentlichungen des französischen Arztes, Akupunkteurs und Homöopathen Paul Nogier 1956 weckten das Interesse der Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin aufs Neue. Sie entwickelten das System weiter, insbesondere im Bereich der Schmerzbehandlung. Diese Richtung folgt einem Erklärungsmodell, das durch die klassische Akupunktur geprägt ist. Das hat bis heute nicht unbeträchtliche Missverständnisse in Europa erzeugt, denn im chinesischen Ohr sind vornehmlich sogenannte funktionelle Punkte abgebildet, die häufig nicht mit dem Organ und dessen Projektion im Ohr (nach NOGIER) übereinstimmen, sondern funktionelle Zusammenhänge beschreibt.

Die Ohrakupunktur ist eine einfache und eigenständige Therapie mit regulierenden, ausgleichenden Wirkungen auf den Organismus und damit auch auf die psychischen Zusammenhänge; eine Therapie von großer Wirksamkeit!

Foto akupunktiertes Ohr Das Besondere der Behandlung über das Ohr ist die unmittelbare Wirkung des hier ausgeübten Reizes.

Akupunktiert man einen Punkt auf der Ohrmuschel oder manipuliert diese Stelle auf andere Weise, läuft das so ausgelöste Signal auf einem extrem kurzen Weg zur Formatio reticularis, von dort weiter zum Gehirn und dann zum entsprechenden Organ im Körper.

Und so erlaubt diese Therapie den schnellen und direkten Zugriff auf die Symptome und zeigt bei regelmäßiger Anwendung durchaus langfristige und meist sofort spürbare Behandlungserfolge.

Die Ohrakupunktur ist ungiftig und nebenwirkungsfrei. Angesichts einer ständig steigenden Zahl von Menschen, die aufgrund von Allergien oder anderen Gründen keine Medikamente einnehmen können oder der Schulmedizin kritisch gegenüber stehen, kann die Behandlung mittels der Ohrakupunktur ein Weg zur Heilung und die wirksame Alternative zur bisherigen Behandlung sein.

Aufgrund der schnellen und präzisen Zugriffsmöglichkeit auf Körpergeschehen ist die Ohrakupunktur besonders in der Notfallmedizin einsetzbar. Dort, wo der Kranke sofortige Hilfe bei akuten Leiden benötigt, ist sie ein ideales Mittel zur Linderung von Schmerzen, zur Bewältigung von Traumen oder zur Entkrampfung in akuten Krisen (z.B. Koliken).


Einsatzgebiete der Ohrakupunktur

· Schmerzen
Über das Ohr können alle Schmerzen, welcher Art sie auch sind, beeinflusst, gelindert und meist ganz ausgeschaltet werden. Die Möglichkeiten reichen vom traumatischen Schmerz z.B. nach Unfällen über Neuralgien, wie Kopfschmerzen, Ischiasbeschwerden, Phantomschmerzen, Schmerzen bei rheumatischen Anfällen usw. bis zum Herpes Zoster-Schmerz.

· 

Zentrales Nervensystem
Behandlung aller Leiden, die das zentrale Nervensystem betreffen. Furcht, Platzangst, Besessenheit, Konzentrationsmängel, Schwindel, Stottern usw. sind Beispiele einer langen Reihe von Indikationen, bei denen die Ohrakupunktur wirksam eingesetzt werden kann. Ihre ausgleichende und entspannende Wirkung wirkt sich daher auch bei der Behandlung von alten Menschen besonders hilfreich aus.

· 

Suchtbehandlung
Eine besondere Bedeutung kommt der Ohrakupunktur bei der Suchtbehandlung zu. Es gibt verschiedene Behandlungskonzepte bei Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit, ebenso zur Raucherentwöhnung oder bei der Bekämpfung der Eßsucht. Dort eignet sich Ohrakupunktur sehr gut als begleitende Maßnahme. Die Erfolgsquoten der Ohrakupunktur bei der Suchtbehandlung sind generell sehr hoch und es gibt bereits Drogenzentren in Deutschland und in Amerika, die diese Suchtprogramme als festen Bestandteil ihres Behandlungskonzeptes anbieten.
 
Weitere Behandlungsmöglichkeiten:
Ohr mit Behandlungspunkten
·  Rückenbeschwerden
·  Gelenkbeschwerden
·  Allergien
·  Asthma
·  Entzündungen und Spasmen innerer Organe z.B. Kolitis
·  Tinnitus
·  Stressabbau/Entspannung
·  Psychovegetative Befindlichkeitsstörungen


Ein Behandlungsbeispiel:

Psychovegetative Befindlichkeitsstörungen:

Quelle Behandlungsbeispiel: 'Kompendium Ohrakupunktur' von Hans P. Ogal und Bernard C. Kolster

 
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