Gesundheits-Info Februar 2004

Meditation

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Meditation Was ist Meditation?

'Meditation ist ein Zustand jenseits des Denkens. Meditation ist ein Zustand des reinen Bewusstseins ohne Inhalt. Normalerweise ist euer Bewusstsein von einem Schutthaufen zugedeckt, wie ein Spiegel, den der Staub blind gemacht hat. Und im Kopf geht es zu wie zur Hauptverkehrszeit: da verkehren Gedanken, da verkehren Sehnsüchte, da verkehren Erinnerungen, da verkehren ehrgeizige Vostellungen - es herrscht ständiger Verkehr! Tagein, tagaus. Selbst wenn du schläfst, läuft der Kopf-Mechanismus weiter, du träumst. Du denkst immer noch; der Verstand produziert immer neue Ängste und Sorgen. Er sorgt sich immer schon um den nächsten Tag, im Untergrund laufen ständig Vorbereitungen.

Dies ist ein Zustand ohne Meditation. Meditation ist genau das Gegenteil. Wenn Funkstille im Kopf ist, wenn alles Denken aufgehört hat, kein Gedanke sich regt, kein Verlangen auftaucht, wenn du absolut still bist - diese Stille ist Meditation. Und in dieser Stille erkennt man die Wahrheit, und nur in dieser Stille. Meditation ist ein Zustand jenseits des Denkens.

Und den Zustand der Meditation kann man nicht mit Hilfe des Verstandes erreichen. Der Verstand ist zu laut, er ist ein perpetuum mobile, er hält sich selbst in Gang. Meditation erreichst du nur dann, wenn du den Verstand beiseite legst, wenn du gelassen bist, dich nicht mit deinen Gedanken identifizierst, wenn du nicht denkst: ich bin meine Gedanken.

Meditation geschieht, wenn dir klar wird, dass du nicht dein Verstand bist, und wenn dieses Bewusstsein tiefer und tiefer in dich sinkt, dann wirst du allmählich Augenblicke der Stille erleben. Augenblicke der Transparenz, Augenblicke, in denen sich nichts in dir rührt und alles still ist. In diesen stillen Augenblicken wirst du erkennen, wer du bist, und du wirst um das Mysterium dieser Existenz wissen. Und dann kommt der Tag, an dem Meditation dein natürlicher Zustand wird.

Der Verstand ist etwas unnatürliches; er wird nie dein natürlicher Zustand sein. Aber Meditation ist der natürliche Zustand, den wir verloren haben. Meditation ist das verlorene Paradies, das wir wiederfinden können. Schau in die Augen eines Kindes und du wirst unermessliche Stille und Unschuld entdecken. Jedes Kind kommt im Zustand der Meditation zur Welt, wird dann aber in die Gesellschaft eingeführt. Sie bringt dem Kind bei, wie man denkt, wie man kalkuliert, wie man vernünftig wird, wie man argumentiert. Das Kind lernt Worte, Sprache, Konzepte, und nach und nach verliert es seine ursprüngliche Unschuld. Es wird von der Gesellschaft verseucht, verschmutzt. Es wird zum leistungsfähigen Mechanismus; ein Mensch ist es dann nicht mehr.

Es kommt darauf an, diesen ursprünglichen Zustand wiederzufinden. Du kennst ihn schon, und wenn du zum ersten Mal Meditation erlebst, wirst du erstaunt sein - ein sehr starkes Gefühl wird in dir aufsteigen, das Gefühl, dass du diesen Zustand schon kennst. Und dieses Gefühl stimmt: du kennst ihn schon. Du hast ihn nur vergessen. Der Edelstein ist unter dem Schutt verlorengegangen. Aber wenn du diesen Schutt wegräumst, wirst du den Edelstein wiederfinden - er gehört dir. Er kann nicht wirklich verlorengehen - er kann höchstens in Vergessenheit geraten. Wir werden als Meditierer geboren und dann lernen wir, die Wege des Verstandes zu gehen. Aber unsere wirkliche Natur bleibt irgendwo ganz tief unten verborgen, wie eine unterirdische Strömung. Grabe nach, sei es nur ein bisschen an jedem Tag, und du wirst die Quelle noch lebendig finden, die Quelle frischen Wassers. Es ist die grösste Freude im Leben, sie zu finden.'

    aus 'Das Orangene Buch' von Bhagwan Shree Rajneesh


Was geschieht in der Meditation?

Du schaust deinen Gedanken zu, beobachtest ihr Kommen und Gehen, ohne darauf zu reagieren. Du richtest deine Aufmerksamkeit aus, bündelst sie, beobachtest, wie sie immer wieder abschweift, von umgebenden Geschehen oder Gedanken abgelenkt. Du beobachtest alle Bewegungen in deinem Geist, ohne zu beurteilen, zu befürchten oder auszuweichen. So kannst du deine Empfindungen ruhig und gelassen zur Kenntniss nehmen. Wenn du deine Empfindungen bewertest und mit Gefühlen besetzt, dann bist du deine Angst oder Wut usw., und das tust du fast täglich, ausser im Zustand der Meditation, es bleibt kein Freiraum, kein Handlungsspielraum. In der Meditation kannst du lernen, Gedanken, mentale Gewohnheiten oder Emotionen mit wachsendem Gleichmut zu beobachten.

Da du alle Ich-Inhalte beobachten kannst, können diese nicht selbst zum Beobachter, zum Sehenden (Zeugen) werden. Wenn du das erkannt hast, geht deine Identität allmählich vom Ich, dem Objekt, über auf den unpersönlichen Zeugen, der das wahre Subjekt, das Höchste Selbst ist. Dieses Höchste Selbst ist eins mit dem universellen Geist.


Wie meditiere ich?

Suche dir einen stillen Ort und eine Zeit aus, in der du voraussichtlich nicht gestört wirst, z.B. frühmorgens. Setze dich auf einen Stuhl o.ä., mit geradem Rücken, Nacken und Kopf. Dann entspanne deinen Körper systematisch und beginne zu beobachten. Meditation ist Beobachtung (Atem, Geistbewegungen usw.), Nicht-verhaftet-sein und Selbstforschung, Kontemplation z.B. über das Thema:'Wer bin ich?' Man kann es als Koan betrachten und sich hunderttausendmal fragen: Wer bin ich, wer bin ich, wer...?

Meditiere über:
'Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper; ich kann meinen Körper sehen und fühlen, und was gesehen und gefühlt werden kann, ist nicht der wahre Sehende. Mein Körper kann müde oder erregt, krank oder gesund, schwer oder leicht, angstvoll oder ruhig sein, aber das hat nichts mit meinem inneren Ich, dem Zeugen zu tun. Ich habe einen Körper, aber ich bin nicht mein Körper.

Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht meine Wünsche. Ich kann meine Wünsche erkennen, und was erkannt werden kann, ist nicht der wahre Erkennende. Wünsche kommen und gehen, sie ziehen durch das Bewusstsein, aber sie berühren mein inneres Ich nicht, den Zeugen. Ich habe Wünsche, aber ich bin nicht die Wünsche.

Ich habe Emotionen, aber ich bin nicht meine Emotionen. Ich kann meine Emotionen empfinden und spüren, und was empfunden und gespürt werden kann, ist nicht der wahre Empfindende. Emotionen gehen durch mich hindurch, aber sie berühren mein inneres Ich nicht, den Zeugen. Ich habe Emotionen, aber ich bin nicht meine Emotionen.

Ich habe Gedanken, aber ich bin nicht meine Gedanken; ich kann meine Gedanken sehen und erkennen, und was erkannt werden kann, ist nicht der wahre Erkennende. Gedanken kommen und gehen wieder, aber sie berühren mein inneres Ich nicht, den Zeugen. Ich habe Gedanken, aber ich bin nicht die Gedanken.

Ich bin das, was übrigbleibt: ein Zentrum reinen Gewahrseins, der unbewegte Zeuge all dieser Gedanken, Emotionen, Empfindungen...'

    (Text nach Ideen von K. Wilber, R.Assagioli, Sri Ramana Maharshi)

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