Gesundheits-Info August 2002

Biochemie nach Dr. Schüßler, Teil I
Die 12 Funktionsmittel

Zurück zur Gesundheitsinfo-Übersicht

Dr. med. Wilhelm Schüßler (1821-1898) erkannte die Bedeutung der Mineralsalze (Mineralstoffe) für alles Lebendige. Schüßler war homöopathischer Arzt, suchte aber nach einem Heilkonzept, das die Vielzahl der homöopathischen Mittel und deren Komplexität vereinfachen konnte.

Den Durchbruch zu einem genialen Heilkonzept fand er, als er sich mit den biochemischen Eigenschaften des Organismus in Zusammenhang mit organischer Chemie befaßte. Seine Forschungen führten ihn schließlich zu den zwölf anorganischen Salzen bzw. Mineralstoffen als den Grundelementen des Lebens.

"Ein Leben ohne Mineralsalze ist nicht möglich, denn die chemischen Abläufe im Körper sind durch Mineralsalze bedingt"

Schüßler untersuchte die Asche verstorbener Patienten und stellte fest, daß bei bestimmten Krankheiten ganz bestimmte Mineralstoffe im Körper fehlen. So festigte sich sein Denkansatz zu der Überzeugung, daß Krankheit durch einen Mangel an Mineralsalzen entsteht und daß durch die Gabe der fehlenden Salze eine Regulation auf der Zellebene stattfindet. Er war davon überzeugt, daß mit dem Ersetzen der fehlenden Mineralsalze alle überhaupt heilbare Krankheiten geheilt werden können.

Als homöopathisch arbeitender Arzt wußte er um die hohe Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel und verband die Methoden und das Wissen der Homöopathie und der Mineralsalztherapie miteinander. Die Mineralstoffe bzw. -salze wurden homöopathisch aufbereitet. Schüßler nannte seine neue Heilmethode Biochemie und führte sie bis zu seinem Tode mit großem Erfolg aus.

Wie kommt es zum Salz- bzw. Mineralstoffmangel?

Langandauernde oder auch akute Belastungen (einseitige, nervliche, geistige, seelische oder körperliche Belastungen), die nicht ausgeglichen werden können, belasten den Mineralhaushalt des Körpers und führen zu Salzmangel. Der Körper holt sich dann die für die einseitige Belastung benötigten Mineralstoffe aus sich selbst, d. h. aus dem Blut, der Lymphe, den Zellen, aus dem Gewebe, um die notwendigsten Körpervorgänge aufrecht zu erhalten und das Leben zu schützen. Er verbraucht sozusagen seine eigenen Grundstoffe.

Eine ungesunde Ernährungsweise mit zuviel tierischem Eiweiß, Fast Food und anderen Säurebildnern wie Süßigkeiten, Limonaden, Alkohol, Kaffee, Kakao, Schwarztee und denaturierter Nahrung fördern noch den Abbau körpereigener Mineralstoffe. Deshalb ist eine basenreiche Ernährung mit Früchten, Gemüse, Salaten, frischen Kräutern, Getreide, Hülsenfrüchten usw.(möglichst aus biologischem Anbau) wichtig, um den Körper gesund zu erhalten. Nur mit gesunder Ernährung ist es möglich, einen gesunden Körper aufzubauen, denn aus der Nahrung kommen die Baustoffe bzw. Grundstoffe für den Aufbau unseres Körpers. Für die Gesunderhaltung des Körpers ist außerdem frische Luft (Sauerstoff) und ausreichende Bewegung notwendig.

Die Salze sind eine verbindene Brücke zwischen Säuren und Basen in unserem Körper. Sie verbinden auch die Polaritäten in uns wie Aktivität/Passivität, Männlich/Weiblich, Geist/Seele. Wenn ein Ungleichgewicht entsteht, helfen uns die Salze, die Mitte wiederzufinden und das Ungleichgewicht seelisch, körperlich und geistig auszubalancieren.

Die zwölf Funktionsmittel

Nr. 1 Calcium fluoratum
Gefäßmittel

Calcium fluoratum findet sich im Zahnschmelz, in den Knochen und in den Oberhautzellen. Es sorgt für die Dehnungsfähigkeit und Elastizität des Bindegewebes, entlastet den Blutkreislauf und kräftigt die Gefäße.

Anwendung
Elastizitätsverlust der Blutgefäße (Krampfadern, Hämorrhoiden, Arterienverkalkung), Organsenkungen, Drüsenverhärtungen, Knochen- und Zahnerkrankungen, Bandscheibenschäden, Gelenkbeschwerden, Rachitis, frühes Altern der Haut, rissige Haut, übermäßige Hornhautbildung.

Nr. 2 Calcium phosphoricum
Aufbaumittel

Calcium phosphoricum ist das häufigste Mineralsalz im menschlichen Organismus. Es kommt in allen Körperzellen vor. Es ist notwendig für die Blutbildung und Blutgerinnung, ebenso für die Zellneubildung und die Eiweißbildung. Es gilt als biologisches Kräftigungsmittel, ein Nähr-, Wachstums- und Rekonvaleszenzmittel. Außerdem ist es das Hauptmittel gegen Krämpfe und zur Beruhigung des Herzens.

Anwendung
Knochen- und Zahnerkrankungen, schlecht heilende Knochenbrüche, Blutarmut, Menstruationsbeschwerden, in der Schwangerschaft, Rekonvaleszens, Nervosität, Lungenerkrankungen, Infektanfälligkeit, rasche Ermüdbarkeit, Schlafstörungen.

Nr. 3 Ferrum phosphoricum
Mittel des 1. Entzündungsstadium, Fiebermittel

Ferrum phosphoricum ist im Körper an vielen enzymatischen Prozessen beteiligt und daher sehr wichtig für die Infektabwehr. Es findet sich außerdem im Blut (Bestandteil des Hämoglobins), in allen Körperzellen, besonders in den Muskelzellen. Eisen wird im Kindesalter zum Wachstum benötigt, aber auch während der Schwangerschaft, Stillzeit und Menstruation. Das Mittel Ferrum phosphoricum gilt als Fieber-, Schmerz- und Wundmittel, aber auch als Notfallmittel. Es ist das Mittel für alle plötzlich auftretenden Erkrankungen, für alle entzündlichen und fieberhaften Prozesse im Anfangsstadium.

Anwendung
Frische Wunden, Quetschungen, Verstauchungen und Blutungen. Plötzlich auftretende entzündliche und fieberhafte Prozesse, Kinderkrankheiten, körperliche Überanstrengung, akute Magenbeschwerden, rheumatische Erkrankungen mit Durchblutungsstörungen, Schmerzen.

Nr.4 Kalium chloratum
Mittel des 2. Entzündungsstadium, Lymph- und Nierenmittel, Entgiftungsmittel, Drüsenfunktionsmittel

Kalium chloratum kommt in allen Körperzellen vor, insbesondere in den roten Blutkörperchen. Es dient zur Aktivierung des Stoffwechsels, zur Kohlenhydratverwertung und zum Eiweißaufbau.

Anwendung
Kalium chloratum ist das Hauptmittel bei Katarrhen verschiedener Organe und Schleimhäute, wenn die Absonderungen weiß/weißgrau zähflüssig-fibrinös, schleimig sind. Es wird eingesetzt bei Ohren-, Augen- und Halserkrankungen, die durch fibrinöse Entzündung gekennzeichnet sind. Stockschnupfen, Mandelentzündung, Heiserkeit, Lungen- und Rippenfellentzündung, Bronchitis, Rheumatismus, Sehnenscheidenentzündung, Warzen, Frostbeulen, Impfbeschwerden, Verbrennungen, aber auch Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Keuchhusten.

Nr. 5 Kalium phosphoricum
Nervenmittel

Kalium phosphoricum wird eingesetzt bei geistiger und muskulärer Überanstrengung, bei Erschöpfungszuständen und Depressionen. Es ist besonders wichtig für die Blutflüssigkeit, die roten Blutkörperchen, die Gewebe, die Gehirn-, Nerven- und Muskelzellen. Kaliummangel führt zu einer Ermüdung der Organe, und auch im seelisch-geistigen Bereich kommt es zur Ermüdung. Eine gedrückte, niedergeschlagene Stimmung macht sich breit, oft verbunden mit Ängstlichkeit, Trauer, Gedächtnisschwäche, Schlaflosigkeit und Erschöpfungszuständen.

Anwendung
Nervosität, Erschöpfungszustände, Depressionen, Melancholie, Hysterie, nervöse Schlaflosigkeit, Kreuzschmerzen, Muskelschwäche, nervöse Herzbeschwerden, Angstgefühle mit Herzklopfen, zur Unterstützung der Behandlung organischer Herzleiden, Blutverlust, Lähmungen, Kräfteverfall bei Infektionskrankheiten, chronische Zustände mit faulig, übelriechenden Absonderungen (inneres Antiseptikum).

Nr. 6 Kalium sulfuricum
Mittel für das 3. Entzündungsstadium, Stoffwechselmittel, Lebermittel

Kalium sulfuricum findet sich in den Oberhautzellen und in den Muskeln. Es ist an der Übertragung von Sauerstoff beteiligt, fördert die Ausscheidungs- und Entgiftungsvorgänge und wird als Lebermittel eingesetzt. Außerdem ist es das Mittel des 3. Entzündungsstadiums mit gelbschleimigen Absonderungen.

Anwendung
Es wird nach Kinderkrankheiten gegeben und bei allen Krankheiten, die nicht richtig rauskommen. Es läßt sich auch bei Unausgeglichenheit und bei seelisch-geistigen Häutungsprozesse einsetzen. Ebenso bei chronischen Entzündungen aller Art, Hautleiden, chronisch-eitrigen Schleimhautkatarrhen (Nase, Ohr, Hals, Bronchien, Bindehaut u. a.), Magen-Darm-Katarrh, Schnupfen, gelb-schleimiger Fließschnupfen, Leber- und Nierenentzündung. Außerdem fördert es die Abschuppung nach Masern und Scharlach.

Nr. 7 Magnesium phosphoricum
Entkrampfungsmittel, Nervenmittel

Magnesium phosphoricum findet man in den Muskeln und Blutkörperchen, in Nerven, Gehirn-und Rückenmark, in Leber, Schilddrüse, Knochen und Zähnen. Fehlt es, so treten Krämpfe aller Art auf (Herz-, Magen-, Muskel-, Blasenkrämpfe). Es ist ein hervorragendes Nerven-, Schmerz- und Krampfmittel. Es wirkt entspannend, entkrampfend, entgiftend und regenerierend. Außerdem senkt es den Grundumsatz und den Cholesterinspiegel im Blut.

Anwendung
Krämpfe aller Art, Koliken, Schmerzen, Neuralgien, Engegefühl in der Herzgegend, Migräneanfälle, Schlaflosigkeit, Zahnungsschwierigkeiten und Krampfhusten bei kleinen Kindern, nächtliches Bettnässen, Zahnschmerzen, Bauchschmerzen mit Durchfall, Arteriosklerose.

Nr. 8 Natrium chloratum
Blutmittel

Natrium chloratum findet sich in allen Geweben und Körperflüssigkeiten. Es regelt den Wasserhaushalt und spielt eine Rolle bei der Neubildung von Zellen, auch der roten Blutkörperchen. Es wirkt blutbildend. Natrium chloratum gilt auch als Stoffwechselmittel, es macht Toxine ausscheidungsfähig.

Anwendung
Blutarmut, Bleichsucht, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Schleimhautkatarrh mit wäßriger Absonderung wie z. B. Fließschnupfen, Magen-Darmkatarrh mit wäßrigem Durchfall, Bläschenausschlag an den Lippen, Tränen-, Speichelfluß, schlaffe Verstopfung, nässende Hautausschläge, Kopfschmerzen, Migräne, Nerven- und Antriebsschwäche, rheumatische Beschwerden.

Nr. 9 Natrium phosphoricum
Neutralisationsmittel, Entsäuerungsmittel

Natrium phosphoricum ist in den Blutkörperchen, Nerven- und Gehirnzellen, Muskeln und Gewebeflüssigkeit enthalten. Es neutralisiert die Überproduktion von Säuren im Organismus, auch von überschüssiger Magensäure. Natrium phosphoricum regt den Stoffwechsel an und ist wichtig bei der Eleminierung der Stoffwechselendprodukte. Ebenso hält es die Harnsäure in Lösung, so daß sie gut über die Niere ausgeschieden werden kann.

Anwendung
Bei akuten und chronischen Krankheiten, die auf Stoffwechselstörungen zurückzuführen sind, bei Sodbrennen, saurem Erbrechen, Gallenblasen-, Blasen-, Nierenentzündung, -steine, Ischias, Gicht, Rheuma, Magenschleimhautentzündung, Mandel-, Rachenentzündung, Bindehautentzündung, Hautausschläge mit honigfarbenen rahmartigen Absonderungen.

Nr. 10 Natrium sulfuricum
Entschlackungsmittel

Natrium sulfuricum ist in den Gewebesäften enthalten und hat die Aufgabe, den Körper zu entwässern, Stoffwechselschlacken auszuscheiden und den Organismus zu entgiften. Außerdem regt es den Gallefluß und die Dickdarmtätigkeit an. Es ist ein wichtiges Ausscheidungsmittel, sowie Leber- und Gallemittel.

Anwendung
Bei allen Erkrankungen der Ausscheidungsorgane, Schnupfen, Grippe, Verstopfung, Durchfall, Hautausschläge, alte Wunden, Unterschenkelgeschwüre, Ödeme, Rheuma, Nierengrieß, Schäden nach Über- oder Fehlernährung, Alkoholmißbrauch, bei gelbgrünlichen und wäßrigen Absonderungen.

Nr. 11 Silicea
Hautmittel

Silicea findet sich in Bindegewebe, Oberhaut, Schleimhaut, Haare, Nägel, Knochen und Nerven. Es steigert die Widerstandsfähigkeit und mechanische Festigkeit der Gewebe. Silicea ist ein Nerven-, Stärkungs- und Regenerationsmittel, aber auch ein Stoffwechselmittel. Fehlt Silicea, so zeigen sich Erschöpfung, Unterernährung und frühzeitiges Altern.

Anwendung
Akute und chronische Entzündungen mit Eiterungen aller Art, es verleiht erschlafften Gefäßwänden Elastizität (Hämorrhoiden, Krampfadern), Fisteln, Furunkel, Drüsenentzündungen und -verhärtungen (siehe auch Nr. 1, ggf. im Wechsel einnehmen), Arterienverkalkung, Karies, Rachitis, Gerstenkorn, Hautjucken, Haarausfall, übelriechender Schweiß, Hauterschlaffung.

Nr. 12 Calcium sulfuricum
Schleimhautmittel

Calcium sulfuricum klärt die Lymphe, entfernt Abbauprodukte aus dem Körper und ist ein Hauptmittel bei Eiterungen, Abzessen, Nieren- und Blasenentzündung. Es reinigt, regt den Stoffwechsel an und unterstützt die Blutgerinnung. Außerdem entgiftet es das Bindegewebe.

Anwendung
Abzesse, Furunkel, Karbunkel, Bindehautentzündung, eitrige Mandelentzündung, eitriger Bronchialkatarrh, Blasen- und Nierenentzündung, chron. Schnupfen mit Beteiligung der Kieferhöhlen, Afterfisteln, Rheuma, Schlaflosigkeit, Gedächtnisschwäche und Schwindel.

Antlitzdiagnose
Ein Mangel an Mineralsalzen im Körper ist auch im Gesicht erkennbar. Bei der Auswahl der Mineralsalze sollte deshalb auch die Antlitzdiagnose (siehe Gesundheitsinfo Oktober 2002, Biochemie nach Dr. Schüßler Teil II) hinzugezogen werden.

Quellenangaben (siehe auch die Literatur-Tipps)

'Wesen und Anwendung der Biochemie-Therapie mit Mineralstoffen nach Dr. Schüßler' von der DHU, Karlsruhe
'Mineralstoffe nach Dr. Schüßler' von Richard Kellenberger und Friedrich Kopsche, AT Verlag
'Lebensquell Schüßlersalze' von Monika Helmke Hausen, Bauer Verlag


Zurück zur Gesundheitsinfo-Übersicht