Gesundheits-Info April 2002

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

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Johanniskraut

Das Johanniskraut, auch Löcherkraut, Hartheu oder Johannisblut genannt, gehört zu den Hartheugewächsen (Hypericaceae) und ist eine weit verbreitete krautige Pflanze mit einem zweikantigen Stengel, die bis zu 80 cm hoch werden kann. Sie bevorzugt trockene und sonnige Standorte wie Wiesen, Wegränder und Bahndämme. Hält man die kleinen grünen Blätter gegen das Licht, erkennt man darin kleine helle Punkte, die den Eindruck erwecken, als sei die Pflanze durchlöchert, daher auch der Name Löcherkraut. Es handelt sich hierbei um die Sekretbehälter, die eine helle Flüssigkeit aus ätherischem Öl und Harz enthalten. Die gelben Blütenblätter verfärben sich rot, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt.

Deshalb auch der Name Johannisblut oder Blutkraut. Die Blütezeit ist von Juni bis August. Die hübschen gelben Blüten stehen etwa Mitte Juni in voller Blüte, dann erfolgt auch die Ernte. Verwendung findet das Kraut, ohne die Wurzel, und die Blüten.

Wirkstoffe

Hypericin, ätherisches Öl, Flavonoide, Hyperforin (in den frischen Blüten), Gerbstoffe.

Wirkung

Für die Droge und daraus hergestellte Zubereitungen liegen zahlreiche ärztliche Erfahrungsberichte vor, die für eine milde antidepressive Wirkung sprechen. Nach experimentellen Befunden ist Hypericin den Monoaminooxydasehemmern zuzurechnen. Ölige Hypericumzubereitungen wirken antiphlogistisch (entzündungshemmend).

Die Inhaltsstoffe in ihrer Gesamtheit regen die Drüsen der Verdauungsorgane, auch der Galle an und tonisieren den Kreislauf. Johanniskraut hat eine leicht beruhigende Wirkung und beeinflußt depressive Zustände, auch im Klimakterium. Bei Behandlung mit Johanniskraut ist nach 4-6 Wochen eine deutliche Aufhellung der Stimmungslage zu erkennen. Man kann Johanniskraut deshalb auch als pflanzliches Antidepressivum bezeichnen. Es wirkt zwar nicht so stark, daß damit schwere Depressionen behandelt werden können, doch bei leichten bis mittelschweren Depressionen kann Johanniskraut chemische Mittel weitgehend ersetzen. Auch bei vegetativer Dystonie kann man es, neben anderen Maßnahmen, gut einsetzen. Sehr gute Wirkung hat es auch bei Bettnässen, da hierbei seelische Gründe eine Rolle spielen.

Anwendungsgebiete

Johanniskraut wird in der Schulmedizin zur Behandlung von depressiven und psychovegetativen Störungen, Angst und nervöser Unruhe, und als Antidepressivum bei leichten und mittelschweren Depressionen eingesetzt.

Innerliche Anwendung

Psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungszustände, Angst und/oder nervöse Unruhe.

Ölige Johanniskrautzubereitungen bei dyspeptischen (Verdauungs-) Beschwerden, als galletreibendes Mittel, zur Beruhigung eines nervösen Magens.

Äußerliche Anwendung

Ölige Johanniskrautzubereitungen zur Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Myalgien (Muskelschmerzen) und Verbrennungen ersten Grades. Aber auch in der Homöopathie wird es verwendet. Als homöopathisches Mittel Hypericum wirkt es bei depressiven Störungen, Nervenschmerzen, Nervenverletzungen, Gehirnerschütterung, Wund- und Schmerzbehandlung.

Darreichungsformen

Verwendet werden Arzneimittelpräparate verschiedener Firmen, Tee oder Öl, aber auch Johanniskrauttinktur, das man zur Wunddesinfektion verwendet. Die Johanniskrautpräparate sind in Apotheken oder Drogerien erhältlich.

Johanniskraut-Tee

Zwei gehäufte Teelöffel Johanniskraut werden mit ¼ l Wasser übergossen und zum Sieden erhitzt. Nach wenigen Minuten abseihen. Davon zwei- bis dreimal täglich eine Tasse Tee trinken. Eine Kur mit diesem Tee sollte über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden.

Johanniskraut-Öl

wird äußerlich erfolgreich bei Rheuma und Hexenschuß angewandt. Auch zur Förderung der Wundheilung und Schmerzlinderung nach Verstauchungen, Verrenkungen, Blutergüssen und Gürtelrose kann es gut eingesetzt werden.

Bei Verdauungsbeschwerden kann es innerlich eingenommen werden. Bitte dafür entsprechende Hinweise auf dem Präparat beachten.

Nebenwirkungen

Johanniskraut erhöht die Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) der Haut, d. h. Die Haut reagiert stärker und schneller auf UV-Strahlen, als gewohnt. Dieser Effekt betrifft vor allem hellhäutige Menschen. Deshalb sollte während der Johanniskraut-Kur das pralle Sonnenlicht, Solarien oder Höhensonne vermieden werden.

Bei normaler Dosierung sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Selbst bei längerer Anwendung wird Johanniskraut gut vertragen.

Wechselwirkungen

Bei der Einnahme von Johanniskraut-Extraktpräparaten wurde in Einzelfällen eine Wirkungsabschwächung anderer Arzneimittel beobachtet. Sollte Ihnen die Einnahme anderer Arzneimittel (z.B. gerinnungshemmende Arzneimittel vom Cumarin-Typ, Ciclosporin, orale Kontrazeptiva ("Pille"), Indinavir zur Anti-HIV-Behandlung) verordnet sein, fragen Sie bitte Ihren Arzt, ob die Einnhame des ausgewählten Johanniskraut-Arzneimittels möglich ist.

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